Vor den Rauhnächten hatten die Mitglieder unserer geschützten Gruppe bei Facebook erneut die Gelegenheit, Fragen an Druidenmeister Esus zu stellen. Zur Sonnwende haben wir die Fragen dann mit ihm besprochen und Antworten erhalten, die tiefe Einblicke in sein Leben und seine Philosophie geben. Aber überzeuge Dich selbst – hier ist das Interview mit Meister Esus!
Das erste Gespräch kannst Du hier nachlesen.
1) Welches ist die „richtige“ Sprache der Druiden und wie entfaltet sie die meiste Energie bei Ritualen?
Die richtige Sprache? Es gibt viele – doch nur eine spricht durch Dich. Alte Druiden nutzten Laute, die wie Wind durch Steine klangen, Worte, die eher spürbar als verstehbar waren. Manche nutzten auch das Alt-Keltische. Doch Sprache allein trägt keine Kraft. Es ist die Absicht, die durch sie fließt.
Wenn Dein Herz offen ist, genügt ein einziger Ton. Wenn Dein Geist klar ist, kann selbst Dein Atem ein Gebet sein. In Ritualen wirkt am stärksten, was wahrhaftig ist. Ob Du in Altirisch, Deutsch oder reiner Stille sprichst – wenn Deine Worte aus der Mitte kommen, wird die Anderswelt hören.
2) Machst Du ausgedehnte Wanderungen, um Neues zu entdecken oder bleibst Du im erschlossenen Bereich/Wald?
Ich gehe, wohin der Ruf mich führt. Manchmal reichen mir zehn Schritte, um etwas Uraltes zu erkennen. Manchmal gehe ich drei Tage, um zu verstehen, was ich längst wusste. Der Ort zählt weniger als der Zustand, in dem man ihn betritt. Ich bin dort zu Hause, wo der Wald antwortet.
3) Hast Du einen Lieblingsbaum oder magst Du eine spezielle Pflanze sehr gerne?
Die Eiche steht mir am nächsten. Sie spricht langsam und fällt nicht leicht. Ihr Wesen erinnert mich an das, was bleibt, wenn alles andere vergeht. Unter einer alten Eiche kann man Dinge hören, die kein Mensch je ausgesprochen hat. Aber ich ehre den ganzen Kreis. Jede Baumart hat ihren eigenen Ton, ihr eigenes Licht. Die Birke bringt den Neubeginn, die Esche schützt die Schwelle, die Weide flüstert von Träumen. Gemeinsam ist der Baumkreis wie ein Chor – und ich höre lieber das ganze Lied als nur eine Stimme.
4) Welche Sicht hast Du auf die Dimensionen, in die Menschen und Wesenheiten aufsteigen (können)? Dass wir Menschen uns in der 3. Dimension befinden und aktuell in die 5. Dimension aufzusteigen vermögen?
Dimensionen sind für mich keine Zahlen, sondern Zustände des Bewusstseins. Was Du „Aufstieg“ nennst, nenne ich „Erinnerung an das Eigentliche“. Ob es drei oder fünf sind, spielt das eine Rolle, wenn das Herz verschlossen bleibt? Ich glaube, dass der Mensch viele Schleier ablegen kann. Manche nennen es Aufstieg, andere Erwachen, ich nenne es: erinnern.
5) Was ist die beste Quelle ins tiefe Druidentum einzutauchen? Den Steinen und dem Wind zu lauschen, dem Wasser, Regen und Wind in den Bäumen, Lesen von alten Schriften? Bücher geben oft (nur) Theorie. Die Elemente tun so gut, entspannen, aber es ist schwierig daraus etwas zu lernen. Kommt das Mehr-Wissen nur aus dem Inneren? Zeigt es sich manchmal nie? Es ist sehr schwierig aus der Ruhe Kraft zu ziehen.
Nicht jedes Wissen kommt mit Worten. Setz Dich nicht mit dem Wunsch hin, etwas zu lernen – sondern mit der Bereitschaft, etwas zu empfangen. Der Stein spricht nicht, wenn Du ihn fragst. Aber er erinnert Dich, wenn Du schweigst.
Lernen im Druidentum ist oft unmerklich. Du wirst nicht wissen, dass Du verstanden hast, bis Du plötzlich anders gehst, anders siehst, anders sprichst. Und ja: Manchmal zeigt es sich lange nicht. Nicht, weil es Dich meidet, sondern weil Du noch nicht frei genug bist, um es zu hören.
6) Wie merkst Du, wenn sich eine Batterie/Akku in Deiner Nähe befindet? Wie und was spürst Du?
Es ist für mich wie ein feines Flimmern , ein unruhiger Puls, der nicht zur Landschaft gehört. Die Luft wird flacher, der Boden spricht weniger, und Tiere meiden den Ort. Ich spüre es meist im Bauch, nicht im Kopf. Eine leichte Störung im inneren Rhythmus. Deshalb bitte ich darum, an Kraftorten auf solche Dinge zu verzichten – sie verzerren das Gleichgewicht.
7) Was hast Du gelernt/gearbeitet, bevor Du in die Natur gezogen bist? Hast Du Dich schon schon als Kind für das Druidentum interessiert oder ist das später nach und nach gekommen?
Als Kind habe ich den Himmel mehr befragt als Menschen. Ich wusste nicht, was ein Druide ist – aber ich wusste, dass der Wind mehr weiß als viele Bücher. Später lernte ich vieles mit den Händen: Pflanzen, Erde, Holz. Ich habe gearbeitet, damit mein Körper wach bleibt, nicht nur mein Geist. Das Druidentum kam nicht über Nacht. Es trat näher, als ich aufhörte zu suchen.
8) Lebt ein Druidenmeister immer alleine oder gibt es auch Paare/Familien?
Ein Druide lebt nie wirklich allein. Der Wald spricht, die Ahnen begleiten, das Feuer antwortet. Aber in der Welt der Menschen? Ja, es gibt Paare. Auch Familien. Doch nicht jeder kann mit einem leben, der den Rhythmus des Mondes ernster nimmt, als die Verpflichtungen in der modernen Welt. Nähe ist möglich, wenn sie aus Freiheit besteht, nicht aus Bedürftigkeit.
9) Wie finde ich meine Krafttiere?
Manchmal kommen sie von selbst. Manchmal rufen wir sie. Du kannst ihnen im Traum begegnen, im Schatten am Waldrand, im Bild, das sich nicht aus Deinem Kopf vertreibt. Es gibt viele Wege.
Wenn Du eine klare Begegnung wünschst, helfen geführte Rituale. Unser Zirkel bietet einen solchen Pfad an, wenn Du ihn gehen willst.
10) Was ist Dein größter Wunsch an die Menschheit?
Dass sie wieder still wird. Nicht leise – still. Dass sie sich erinnert, wie es ist, im Einklang zu leben – nicht nur zu konsumieren. Und dass sie endlich begreift: Die Erde ist kein Besitz. Sie ist ein Wesen. Wenn das verstanden wird, nicht mit dem Kopf, sondern mit der Seele, kann Heilung beginnen.

Schon die erste Fragerunde hat mich aufatmen lassen und war pure Freude.
Bei dieser kommen bei jeder Antwort sofort fortführende Gedanken und Entscheidungen. So werde ich keine Aufnahmen mehr von meinen Zeremonien machen. Das ist ein wenig schade, denn ich mag das Rückerinnern in meinem Album. Wichtiger sind indessen die Kraftenfaltung und die Reichweite dessen, was ich tue.
Die Antwort auf meine Frage mit ihrer anderen Sichtweise hilft mir sehr, mit dieser Thematik umgehen zu können. Danke, Meister Esus.