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Runenstäbchen richtig einsetzen: So funktioniert das Runen-Orakel

Runenorakel: so geht's

Herzlich Willkommen im neuen Druiden-Almanach!

Das ist unser erster Beitrag. Darin erfährst Du, wie man eine Orakelbefragung mit Runenstäbchen richtig durchführt und interpretiert. Dazu habe ich (Astrogaol vom Keltus Druidenzirkel) eine praktische Anleitung mit Beispielen und Bildern zusammengestellt ?

Was sind Runenstäbchen?

Runenstäbchen sind die wahrscheinlich älteste Form von Runenorakeln. Man stellt sie aus den dünnen Ästchen der Weide her, die den Kelten als Saille bekannt war und der sie besonders magische Kräfte zuschrieben. Ein Bündel Rundenstäbchen sollte aus mindestens neun Stück solcher Weide-Ästchen bestehen. Wichtig sind nicht nur das Holz und der Durchmesser, sondern auch der Klang! Wenn die Stäbchen die richtige Dicke und Länge haben, produzieren sie ein angenehmes Geräusch, wenn man sie in der Hand schüttelt. Das soll dabei helfen, die notwendige Harmonie für die Orakelbefragung zu schaffen und die Umgebungsenergie stabilisieren. Idealerweise sind Runenstäbchen 10 bis 12 cm lang.

Um das Ergebnis bzw. die Antwort vom Runenorakel zu interpretieren, verwendet man traditioneller Weise das Ogham-Runenalphabet. Ich weiß, dass heute auch manchmal das alte und neue Futhark verwendet werden. Dieser Beitrag nutzt die traditionelle Form – das Ogham-Alphabet – aber grundsätzlich funktioniert die Anleitung auch mit anderen Runenreihen.

Das Runenorakel befragen – Wann und Wo?

Wie alles im Leben funktioniert die Befragung des Runenorakels am besten zur richtigen Zeit und am richtigen Ort! Für beste Resultate sollte man unbedingt die Natur aufsuchen. Zum Beispiel eine Lichtung im Wald, oder auch eine Wiese. Am besten in der Nähe alter Bäume, wie Eichen, Buchen oder Weiden (der rituelle Aspekt des Runenorakels beschwört die Weisheit und Hilfe der Baum- und Waldgeister). Eine Meditation am persönlichen Kraftort eignet sich meist sehr gut, um die nötige innere Ruhe und Ausgeglichenheit für eine Orakelbefragung zu erlangen.

Wer gerne Räucherwerk einsetzt, das Orakel-Rituale unterstützt (z.B: Orakel-Weihrauch), der sollte bitte bedenken, dass beim Räuchern im Wald größte Vorsicht geboten ist. Also unbedingt eine stabile Räucherschale mitnehmen und ein windstilles Plätzchen suchen!

Was den richtigen Zeitpunkt betrifft, gibt es ganz unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen. Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass ich bei den folgenden Mondphasen für bestimmte Fragestellungen besonders aufschlussreiche Informationen erhalte:

  • Abnehmender Mond: Fragen, die mich selbst betreffen.
  • Zunehmender Mond: Frage, die andere Menschen betreffen.
  • Neumond: Fragen zur Natur der Dinge.
  • Vollmond: Fragen, deren Beantwortung Wissen aus dem Ahnen-Reich erfordert.

Grundsätzlich sollte man sich dabei auf sein Bauchgefühl verlassen! Es spricht nichts dagegen, bei zunehmenden Mond Fragen über sich selbst zu stellen, oder bei Neumond den Rat der Ahnen zu konsolidieren. Die große Kunst im Einsatz von Runenstäbchen liegt meiner Meinung nach darin, dass man sich selbst mit der Fragestellung und den Naturgeistern einschwingt und dann auch noch das richtige Auge für das „Lesen“ der Ergebnisse entwickelt. Das erfordert in den meisten Fällen viel Übung und Geduld. Man darf sich nicht zu schnell frustrieren lassen! Am besten stellt man anfangs Fragen, bei denen die Antwort des Orakels schon bald eintreten sollte. So lässt sich die Zuverlässigkeit der eigenen Methode überprüfen und mit der Zeit auch verbessern. Wenn man den sprichwörtlichen Dreh mal heraussen hat, dann ist das Runenorakel wohl die schönste und aufschlussreichste Form der Orakelbefragung überhaupt!

So setzt man Runenstäbchen richtig ein

Zuerst gilt es, die richtige Frage zu formulieren. Für Ja-Nein Fragen sind Runenstäbchen eher ungeeignet! Dafür sollte man besser klassische Pendelmethoden einsetzen. Ein Runenorakel ist dafür gedacht, komplexe Zusammenhängen zu komplexen Themen klar zu machen, ähnlich wie das beim Legen von Tarotkarten geschieht. Es sollten daher offene Fragen gewählt werden, zum Beispiel über Dinge, bei denen man sich im Unklaren ist, oder über den Ausgang einer Entscheidung, die man treffen möchte. Später folgt ein Beispiel für eine Fragestellung inklusive der Interpretation des Orakels.

Ist die richtige Fragestellung gefunden, sollte vor der Befragung erst noch ein Orakelspruch gesprochen werden. Dieser dient, um die Naturgeister rundherum zu wecken und um ihren Beistand bei der Durchführung des Orakels zu bitten. Es gibt natürlich viele Sprüche, die man dafür verwenden kann, und nicht jeder spricht sie laut aus. Ich persönlich verwende schon lange diesen kurzen Spruch, der die Kraft der Geister von Hasel, Weide und Eiche beschwört:

Duir, Coll, Saille
Brüder dieses Waldes
erwacht aus eurem Schlaf

Duir, Coll, Saille
Brüder dieses Waldes
Gebt mir euern Schutz

Duir, Coll, Saille
Brüder dieses Waldes
Zeigt mir euern Fluss

Die Runenstäbchen werfen

Die Runenstäbchen richtig zu werfen erfordert ebenfalls ein wenig Übung, zumal die richtige Technik auch von der Beschaffenheit des Untergrunds und der Länge der Stäbchen abhängt. Wirft man das Orakel aus zu großer Höhe, verteilen sich die Stäbchen zu sehr, um aus ihnen Ogham-Runen herauslesen zu können. Wirft man es zu nieder ab, bilden sie einfach einen Kreis am Boden, der in der Mitte zusammenläuft. Bei moosigem Waldboden empfehle ich in etwa 15-20 cm Wurfhöhe, bei härterem Untergrund entsprechend weniger.

Nachdem man den Spruch gesagt hat und die Frage gestellt hat, kann man die Runenstäbchen (ähnlich wie beim Mikado-Spielen) fallen lassen. In dem am Boden entstandenen Muster werden, sofern alles richtig gemacht wurde, Ogham-Runen zu finden sein. Die einzelnen Runen sind dann die Grundlage zur Interpretation des Orakels.

In der Bedeutung der Runen versteckt sich dann die Antwort bzw. Botschaft des Orakels!

Jede Rune im Ogham-Alphabet hat ihre eigene Bedeutung und steht für verschiedene Dinge und Eigenschaften, ähnlich wie eine Tarot-Karte. So hat jede Rune ihre positiven und negativen Aspekte. Das klare Ja/Nein, Schwarz/Weiß, Gut/Böse gibt es beim Runenorakel nicht! Die Kunst ist es, die Antwort im Kontext der Fragestellung richtig heraus zu lesen, am besten unter Berücksichtigung des „Bauchgefühls“, das ja auch von der Umgebungsenergie und der unterstützenden Kraft der Naturgeister geprägt wird.

Aber am besten sehen wir uns das ganze gleich anhand von einem Beispiel an…

Das Runenorakel im Einsatz – Beispiel mit Bildern

Der Mond nimmt gerade zu, also bin ich gestern an meinen Kraftort gegangen und habe dort das Runenorakel für eine Freundin befragt. Nennen wir sie Laura. Sie hat zugestimmt, dass ich ihr Beispiel für diesen Beitrag verwenden darf, sofern ich ihren Namen ändere.

Ihre Situation ist zurzeit so: Als alleinerziehende Mutter eines Kindes im Hauptschulalter arbeitet sie seit 15 Jahren im selben Betrieb und sehnt sich stark nach Veränderung. Sie hat im letzten Jahr an den Wochenenden eine Reiki-Ausbildung begonnen, die ihr sehr viel Freude bereitet und die sie gerne weiterverfolgen will. Sie weiß aber auch, dass sie in ihrem Alltagsjob Stunden reduzieren müsste, um genug Zeit für das zu finden, was sie sich vorstellt. Dieser Schritt bereitet ihr wiederrum Angst, weil sie ihrem Kind gegenüber viel Verantwortung trägt. Außerdem ist sie sich nicht sicher, wie ihr Chef reagieren wird, wenn sie ihm vorschlägt, weniger Stunden im Betrieb zu verbringen.

Wir haben zuerst länger über die Situation und ihre Pläne gesprochen, so dass alle wichtigen Faktoren berücksichtigt werden konnten. Danach haben wir folgende Fragestellung für das Orakel formuliert:

Welche Hindernisse erwarten Laura, wenn sie ihre Zukunft im Reiki weiterverfolgt?

Am Kraftort habe ich meine Zeremonie durchgeführt und im Gedanken an Laura ihre Frage an das Orakel gestellt. Danach habe ich die Runenstäbchen wie beschrieben geworfen. Hier das Resultat (Interpretation mit Runen folgt weiter unten):

Jetzt ist der nächste Schritt, im entstandenen Muster die Ogham Runen zu finden. Ich habe darin schon viel Übung und konnte mittlerweile das richtige Auge entwickeln. Man braucht schon etwas Geduld dafür. Am Anfang kann es helfen, das Muster abzufotografieren, so dass man später noch einmal darauf zurückkommen kann.

Jedenfalls konnte ich in Lauras Orakelbefragung drei Runen klar erkennen:

Links im Bild ist eine Muin-Rune . Es ist die Rune der Propheten – sie steht für innere Befreiung und symbolisiert Ziele und Hoffnungen. Sie kann auch Menschen mit dem Baumzeichen Kastanie repräsentieren, sowie generell ein Geschenk, eine Gabe oder einen Gewinn. Sie kann zudem auch ein Zeichen sein, das vor Größenwahn und Paranoia warnt.

Die mittlere Rune kann je nach Interpretation als Ur- oder Ngetal-Rune gelesen werden. Ich sehe darin eher das Zeichen von Ngetal, zumal die beiden unteren Striche klar schräg verlaufen. Ngetal steht für Frieden, Einheit und Versöhnung. Es ist die Liebes-Rune, sie kann einen Partner oder eine andere nahestehende Person repräsentieren, oder auch einen unterbewussten Traum. Als Zeichen für den Kreislauf des Lebens kann sie sowohl eine Geburt als auch einen Todesfall andeuten.

Am Ende der Runenreihe steht eine Huathe-Rune. Sie steht Disziplin und Arbeit, sowie den Schutz und die Reinigung des Spirituellen. Sie kann einen Neuanfang repräsentieren, oder auch eine bevorstehende Belohnung für zuvor erarbeitetes „gutes Karma“.

Die Interpretation, und somit die Antwort, die ich Laura auf ihre Frage anbieten konnte, erschien mir überraschend klar:

Muin weist darauf hin, dass Lauras Ziel grundsätzlich seine Berechtigung hat. Es warnt aber auch deutlich davor, nichts zu überstürzen. Laura bestätigt mir später ihre Vermutung, dass ihr Vorgesetzter das Baumzeichen Kastanie hat. Ich rate ihr also, zu einem höchst sensiblen Umgang mit dem Thema Stundenreduzierung – zuerst muss sie ihrem Chef klar machen, dass ihre Gegenwart im Betrieb unersetzlich ist, aber bei einer Stundenreduzierung eine Lösung gefunden werden kann, die alle zufrieden stellt. Meine Empfehlung ist zudem, ihren Chef auch von der Angenehmen Wirkung von Reiki zu überzeugen, so dass er letztlich ihre Ziele und Hoffnungen von sich heraus unterstützen wird. Dieser versöhnliche Prozess wird auch durch die Ngetal-Rune angedeutet. Es würde mich nicht überraschen, wenn das Thema Reiki bzw. das Auseinandersetzen mit der Situation letztlich auch bei Lauras Vorgesetzten verborgene Träume freilegt. Die Huathe-Rune kann man in diesem Fall als besonders gutes Omen werten. Sie sagt mir, dass Laura letzten Endes für ihren Fleiß belohnt wird und in ihrer neuen Karriere erfolgreich sein wird.

Das ist natürlich nur eine von vielen Interpretationen, die man aus dem von mir für Laura durchgeführten Orakel lesen könnte. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass es die richtige Interpretation ist. Ob es recht hat, wird erst die Zukunft zeigen. Ich hoffe jedenfalls, dass du diesen Beitrag als hilfreich empfunden hast und dir das Lesen Freude bereitet hat! Sofern es OK für Laura ist, berichte ich im Druiden Almanach zu einem späteren Zeitpunkt wieder davon, wie sich die Dinge in ihrem Leben entwickelt haben.

Wenn du selbst einmal ein Runenorakel ausprobieren möchtest, empfehle ich dir die Runenstäbchen der Kraftort-Weide aus dem Druidenladen – sie haben genau die richtige Länge und einen wirklich bezaubernden Klang ?

– Astrogaol der Wanderer

2 Gedanken zu „Runenstäbchen richtig einsetzen: So funktioniert das Runen-Orakel

  1. Von den Germanen ist es aber doch auch überliefert, daß Sie Äste vom Apfelbaum schnitten und Runen damit warfen und legten?
    Von dem her müsste Es dort ebenso traditionell sein.
    Auch besteht das Grundgerüst der Runen aus 9 Stäben, was ebenso ein Hinweis darauf ist.

    1. Sei gegrüßt, Abraxas!
      Bei den Germanen hat der Apfelbaum eine ganz wichtige Rolle gespielt in der gesamten Mythologie! Ich würde ihn eher in Kombination mit Futhark verwenden als mit Ogham, da passt Weide wirklich am besten (obwohl ich auch Leute kenne, die Buche oder Eiche nehmen!). Versuchen schadet aber nie – vielleicht probiere ich den Apfelbaum auch einmal aus 🙂

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